[Nienaber & Raven-Hart, p.43]
Die Jagd
[73v]
Über dieses so haben sie diese manier das Rhinoceros oder Nashorn zu jagen, und zu erlegen; sie observieren wenn ein fester passat von wind wehet, ziehen sie aus umb
[74r]
ihn zu suchen, den er kan nicht sehen bis er 40 bis 50 schritt von menschen ab ist, sondern gehet dem geruch nach, welcher sehr stark beij ihm ist, und kan einen weiten und zimlichen district einen menschen riechen, auf welchen er schnel zugehet, die Hottentotten aber halten sich in kleine strauche und boschagie auf, woselbst sie sich in verbergen können, und lassen den Rhinoceros daselbst bis auf 20 schrit nahe kommen, da den etliche zugleich von ihnen mit ihren pfeilen auf ihn los werffen, und sich wieder hinter den kleinen strauchen verborgen halten, da den der Rhinoceros nicht weis, wie er geschooren, und wo es her
[74v]
kömt, weil er mit seinen kleinen augen, welche nicht sehr gros, alzu scharf nicht sehen kan, und die Hottentotten, welche sich verborgen halten, nicht observiret, das er also durch das viele werffen der pfeile erleget wird, worauf die hottentotten so kühne sind, das sie, weil er nicht weit sehen kan, eine grosse Kühnheit gegen das thier sich unternehmen, dahingegen ihrer sehr viele betrogen werden, weil sie durch diese gelegenheid dem thiere sehr nahe kommen, das er sie ins gesicht hat, und von ihnen durch seine spitzige hörner vorm kopf durchspiesset, und elendig umbs leben gebracht wird.
[Nienaber & Raven-Hart, p.50]
Rhinoceros
[95r]
Hierneben folget nun der Rhinosterus, ist auch glat von haut, und braun von Couleur, hat ohren wie ein schwein imgleichen der schwantz, aber was dicker, und zwischen die beijden augen auf der nasen oder vor der stirn zweij horns hinter einander, das eine ist lang, das andere ist kurtz, ein fus lang, lauft oval in der dikte wie ein mensch in der mitten vom bein, das längste ist zweij fus lang, das fleisch von einen jungen Rhinostero ist eben so delicat
[95v]
wie ochsenfleisch, dagegen ist es ein sehr grimmig thier, ursachen weilen er nicht wohl sehen kan, und dem geruch sehr nachgehet, auf die menschen ankomt, und nachdehm er ein immerwährende feindschaft gegen den Eliphanten hat, der Eliphant ihm selber immer überlegen, so weis er seine bosheid anders nicht zu rächen, als wo er nur den unflaht auf dem wege finden, und nach kommen kan, gehet er hin, und sertrit es; wenn ers nun gantz zermalmet, wendet er sich umb, und läst sein eijgen unflaht und wasser auf die stelle von sich, und
[96r]
gehet davon; in seine horns bestehet seine stärke, und kan er in die erde damit pflügen, als wenn 6 pferde vorm pflug gingen; sie halten sich nicht mehr als zweij beijeinander; das bloet ist eine schöne medicin vor einen menschen, der sich verhoben, und gefallen umb zu schwitzen; das horn ist auch eine gute medicin vor die schwere noht, und fallende krankheit eine gewisse dosin pulverisirt und eingegeben.
English translation from Nienaber & Raven-Hart, 1970
[1970: 88]
To kill rhinos they have the following method. They wait until there is a strong trade wind; then they move out to look for the rhino. For a rhino cannot see a human being beyond a range of 40 to 50 yards but has to be led by its sense of smell, but the latter is so keen and so well developed that the rhino can smell a person over a fairly long distance, and then it moves fast up to him. The Hottentots, however, hide in small shrubs and in the bush, where they cannot be seen, and they wait for the rhino to approach to about 20 yards, and then a number of them throw their arrows simultaneously, and hide again behind the small shrubs, so that the rhino does not know who shot at it and from where the shot came. Because the rhino cannot see too well with its small eyes and does not notice the hidden Hottentots it is killed by the many arrows. Sometimes the Hottentots are so bold because the rhino cannot see far, that they come very close to the animal; then it can happen that they make a mistake and come within the range of sight of the animal and are pierced by the sharp horns which these rhinos have at their head; and they must die miserably.
[1970: 95]
The Rhinoceros
So much about the elephant. The rhino is also bare of skin and brown in colour. Its ears remind one of those of a pig, and so does the tail, except that it is somewhat thicker. Between the two eyes and above the nose, on the forehead, there grow two horns, one behind the other, one long and one short; the latter is one foot long, oval shaped, and of about the same circumference as a man's calf, the longer one is about two feet in length. The flesh of a young rhino is just as delicious as beef. The rhino is a ferocious animal, because its sight is poor and it must depend on its sense of smell; it attacks humans. Because it nourishes an eternal hostility towards the elephant which, however, is superior to it, it has no other outlet for its malice but to trample down the elephant's droppings wherever it finds them, and to urinate and leave its own excrement on the pulverised elephant dung. When it has done this it wanders off again. Its strength lies in its horns, and one can plough the earth with the same effect as 6 horses pulling a plough. They stay together in pairs. Their blood is a valuable medicine for anyone who needs to perspire after he has had a bad fall or has strained himself. The horn, pulverised and given in a certain dosage is very effective against falling-sickness and epilepsy.